„Igelhaus to go“ – Schutz und Sicherheit für das Wildtier des Jahres
Bodenheim, 28.09.24
Vor Kurzem führte der Bodenheimer Naturschützer und Naturpädagoge Torsten Jäger einen ganz besonderen Workshop durch. Zehn Interessierte waren der Einladung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Bodenheim gefolgt, die den Experten zum wiederholten Male für eine Veranstaltung gewinnen konnten: den Bau eines „Igelhauses to go“, also direkt zum Mitnehmen.
Die Igelkistenbauer kamen aus Bodenheim und Klein-Winternheim und sogar eine Familie aus Gießen fand den Weg nach Bodenheim. Neben dem kompletten Bausatz für das Igelhaus gab es leckeren Bio-Traubensaft vom Weingut Johannes Leber, der auch seine Räume zur Verfügung gestellt hatte.
Torsten Jäger erklärte zunächst anhand einer Präsentation, dass zwischen Igel, Spitzmaus und Maulwurf eine enge Verwandschaft besteht: sie sind alle Insektenfresser. Und diese Information führte direkt ins eigentliche Thema: Warum braucht der Igel unsere Hilfe, um im Winter zu überleben? Ein Hauptfaktor ist das grassierende Insektensterben, aber auch der Lebensraumverlust durch schwindende Hecken sowie Gefahren durch Gifte, Rasenmäher-Roboter, Ordnungswahn und Pools. Nicht zuletzt beenden Verkehrsunfälle sein ohnehin schon anstrengendes Leben. Der Igel wird auf der Roten Liste Deutschland in der Vorwarn-Kategorie geführt, in Rheinland-Pfalz gilt er inzwischen als „Kategorie 3 – gefährdet“. Igel, die zu leicht oder die krank sind, überleben den Winter ohne menschliche Hilfe und ein sicheres Haus nicht.
Der Naturschützer zeigte den aufmerksamen Zuhörern an mehreren Beispielen, woran man Igel in Not erkennen und wie man ihnen entsprechend und nachhaltig helfen kann. Wichtig sei es, in jedem Fall ein Tierheim oder eine Wildtierstation zu Rate zu ziehen. Die Tatsache, dass fertiges Igelfutter die falsche Wahl sei und man lieber zu Katzenfutter greifen sollte, war genauso neu für die Kursteilnehmer wie die Aussage, auf keinen Fall Heu für die Igelkiste zu nutzen, da es schimmelt. Gänzlich begeistert waren besonders die jungen Teilnehmer, als Jäger den Igel Willi vorstellte, den die Naturschutzgruppe im letzten September mit 180 Gramm Körpergewicht aufgenommen, auf 800 Gramm hochgepäppelt, über den Winterschlaf und schließlich in die Auswilderung gebracht hatte. Da wog er stolze 1.500 Gramm und freute sich seines Lebens.
Das anschließende Bauen des Igelhauses aus vorgefertigten Teilen machte allen Anwesenden großen Spaß. Natürlich waren besonders die Kinder begeistert vom Hämmern, Schrauben und Bohren. Und am Ende waren fünf Igelkisten gebaut, die den bedrohten Tieren vielleicht schon in diesem Winter einen Schlafplatz bieten werden. Natürlich gefüllt mit Stroh.

Torsten Jäger packt selbst mit an

Hier entstehen neue Häuser für die Igel

Kinderleichter Zusammenbau des Igelhauses

Das Igelhaus to go – einfach zum Mitnehmen



