Haushaltsrede im Ortsgemeinderat Bodenheim

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

sehr geehrter Herr Bürgermeister und

Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates,

 

eine der ersten Fragen, die wir uns nach Sichtung der Unterlagen gestellt haben, war:

 

Was sehen wir, wenn wir uns den Haushalt für 2026 anschauen?

Zunächst möchten wir hervorheben, dass der vorliegende Haushaltsentwurf trotz herausfordernder Rahmenbedingungen ein wichtiges positives Signal setzt: Die Umlagen haben sich um ca. 4,7 Millionen Euro reduziert. Das verschafft uns Luft zum Atmen – auch wenn bereits absehbar ist, dass die Umlagen in 2027 wieder steigen werden. Dennoch: Ein ausgeglichener Haushaltkeine Neuverschuldung und eine Rückführung bestehender Kredite sind solide Grundlagen, auf denen wir aufbauen können. Dies begrüßen wir ausdrücklich.

 

Wir erkennen im Haushalt einige zukunftsweisende Ansätze: Das Starkregenkonzept, Entsiegelungsmaßnahmen, Bike-Sharing, Investitionen in Photovoltaik – all das sind richtige und notwendige Bausteine. Ebenso begrüßen wir Maßnahmen wie die Schulwegmarkierungen, Mittel für Baumnachpflanzungen und die Förderung der ortsansässigen Unternehmen.

Doch bei aller Anerkennung dieser Ansätze müssen wir gleichzeitig feststellen: Ein klares, langfristiges Ortsentwicklungskonzept ist weiterhin nicht erkennbar.

 

Wo soll Bodenheim in fünf bis zehn Jahren stehen?

Welche Prioritäten setzen wir als Gemeinde?

Was sind unsere Schwerpunkte, unsere Ziele?

 

Diese Fragen bleiben unbeantwortet – und damit fehlt uns eine Richtung, eine Idee, um Investitionen strategisch, nachhaltig und ganzheitlich auszurichten.

Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von Umlagen enorm: 49 Prozent unserer Aufwendungen liegen nicht in unserer Kontrolle. Die Liquiditätskredite sind mit 4,6 Mio. Euro weiterhin hoch und werden uns noch die kommenden Jahre begleiten.

 

Trotz einzelner Klimaschutzmaßnahmen fehlt ein übergreifendes Klimaanpassungs-, Hitze- und Nachhaltigkeitskonzept, das unsere Gemeinde resilienter und zukunftsfähiger macht.

 

Was bedeutet das für Bodenheim?

Ein Haushalt ohne strategisches Leitbild führt dazu, dass wir uns von Projekt zu Projekt hangeln. Wir reagieren, statt zu gestalten! Das Ergebnis sind Flickenteppiche: Viele kleine Maßnahmen, aber kaum zusammenhängende Strukturen: Es fehlt beispielsweise an verbundenen Radwegnetzen in den Ort und aus dem Ort heraus, zentrale Begrünungen im Ortskern, KiTas werden in Gewerbegebiete gebaut usw. Das betrifft unsere Mobilität genauso wie unsere Flächennutzung, unsere sozialen Angebote, die Pflege unserer Infrastruktur oder unseren Umgang mit Klimarisiken.

 

Außerdem investieren wir viel Geld in Sanierungen, statt Instandhaltungen regelmäßig und präventiv durchzuführen. Die Unterhaltung von Straßen erhält weiterhin sehr viele Mittel, während nachhaltige Mobilität, fuß- und fahrradgerechte Infrastruktur oder Verkehrsvermeidung kaum sichtbar vorankommen.

Das Generationen Netzwerk hat in den letzten beiden Jahren zahlreiche wichtige Vorschläge im Bereich des sozialen Miteinanders erarbeitet: Aufwertung von Begegnungsorten, zentral gelegene schattige Treffpunkte, Ausbau der Barrierefreiheit usw.– hierzu bleibt der Haushalt aber nahezu stumm. All das prägt den Alltag unserer Bürgerinnen und Bürger.

 

Besonders kritisch ist, dass die Gemeinde nicht ausreichend auf die Klimakrise vorbereitet ist. Einzelne Maßnahmen sind gut, aber bei weitem nicht ausreichend. Wenn wir heute nicht konsequent handeln, verschieben wir die Last auf künftige Haushalte – und damit auf kommende Generationen. Hitze, Starkregen, steigende Energiepreise und wachsende Fixkosten sind Realitäten, keine abstrakten Zukunftsszenarien. Ohne klare Strategie riskieren wir höhere Folgekosten, geringere Handlungsfähigkeit und sinkende Lebensqualität.

 

Ein nachhaltiger Haushalt braucht Resilienz.

 

 

Was wir uns für das Bodenheim von morgen wünschen

Wir stehen heute im zweiten Haushaltsjahr unserer Fraktion hier im Gemeinderat. Schon 2025 haben wir vier zentrale Forderungen formuliert – und wir halten sie weiterhin für entscheidend:

 

  • Strategische Finanzplanung
  • Ganzheitliches nachhaltiges Ortsentwicklungskonzept
  • Kritische Überprüfung aller Investitionen und
  • Stärkere Bürgerbeteiligung.

 

Unser Wunsch für 2026 ist deshalb klar:
Lasst uns gemeinsam ein Leitbild für Bodenheim entwickeln – mit echter Beteiligung der BürgerInnen und mit ausgewiesenen ExpertInnen. Ein Leitbild, das ökologische, ökonomische und finanzielle Realitäten zusammenführt und daraus Prioritäten für die kommenden Jahre ableitet.

Wir wünschen uns:

  • Ein auf lange Sicht ausgerichtetes Ortsentwicklungskonzept mit sozialökologischer Ausrichtung
  • eine Mehrjahresstrategie für Emissionsreduktion, Klimaanpassung und Infrastrukturpflege,
  • eine tiefergehende ökologische und ökonomische Bewertung aller Investitionen,
  • und einen Risikopuffer als Rücklage für Energie- und Umlagenrisiken

 

Zudem sollten wir soziale und gemeinschaftliche Themen wieder sichtbar machen: Bewegungs- und Begegnungsangebote – Orte, die unser Zusammenleben stärken. Ein kleines Bürgerbudget, ein jährliches Öko-Budget oder gezielte Mittel für den Rad- und Fußverkehr können viel bewirken.

 

Unser Wunsch ist es, den Haushalt nicht nur zu verwalten, sondern zu gestalten – mit Mut, Weitsicht und Verantwortung.

 

Denken wir nicht nur an das Hier und Jetzt. Denken wir an das Bodenheim von morgen. Ein Bodenheim, das klimafest ist, lebenswert, sozial und finanziell stabil.

 

Der Haushalt 2026 setzt einige wichtige Akzente. Doch er braucht mehr strategische Tiefe, ein konkretes Leitbild für die Zukunft und mehr Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Lassen Sie uns diese Aufgabe gemeinsam anpacken.

 

Die Fraktion der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN freut sich auf die weitere Zusammenarbeit im kommenden Jahr und bietet an, den Blick nach vorne gemeinsam zu gestalten. Wir stimmen dem Haushalt 2026 zu.

 

 

Vielen Dank.

 

 

Jens Richterich

Fraktionsvorsitzender
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN OG Bodenheim

 

Download als pdf: 20251210_Haushaltsrede_Grüne